Im Beisein von zahlreichen Persönlichkeiten aus der Bundespolitik, Spitzenrepräsentanten von Partnerorganisationen im Gesundheitswesen und Mitgliedsverbänden des Deutschen Pflegerates würdigten die Grußwortredner Dr. rer. pol. Rudolf Kösters, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. med. Regina Klakow-Franck, stellv. Hauptgeschäftsführerin der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Friedrich Wilhelm Kolkmann, Ehrenvorsitzender der KTQ GmbH und Ludger Risse, Vorsitzender des Landespflegerates NRW, nach Begrüßung durch den neuen Präsidenten des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, in festlicher Athmosphäre in der bayerischen Landesvertretung die Verdienste von Marie-Luise Müller.
In der Laudatio dankte Hedwig François-Kettner, Pflegedirektorin der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Marie-Luise Müller für ihr unermüdliches Engagement. In der Würdigung der neunjährigen Amtszeit drückte Francois-Kettner zunächst den Respekt und die hohe Wertschätzung ihrer Wegbegleiter aus und spannte dann den Bogen von den Anfängen des beruflichen Werdegangs über die parallelen familiären und privaten Entwicklungen hin zum Hier und Heute.
Dabei betonte sie das regelmäßig besondere persönliche Engagement und und die nimmermüde Aktivität, die 'Naturell' sei.
François-Kettner stellte dar, dass Müller für ihr ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz wie auch die Antonie – Zerwer - Ehrenmedaille vom Bundesverband der Kinderkrankenpflege erhalten habe und hob anschließend hervor, dass insbesondere das berufsbezogene - politisch motiviertes Engagement über die Jahrzehnte ganz besonders ausgeprägt sei, so François-Kettner.
Ausgehend von Müllers Vorstandsarbeit in dem Verband Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Krankenpflegepersonen e.V. ( BALK) von 1995 – 2003, als Gründungsmitglied und seit 2000 Präsidentin des Deutschen Pflegerats (DPR) habe Müller über neun Jahre die Interessen der professionell Pflegenden in einem gemeinsamen Dachverband gebündelt. Bei Übernahme des Amtes hatte der DPR fünf Pflegefachverbände vereinigt, inzwischen sei es gelungen, 15 Verbände zu einen und damit mit einer Stimme zu sprechen, so François-Kettner. Dabei sei es in diesen Jahren zudem gelungen, wichtige Partner der Selbstverwaltungen mit Inhalten zu überzeugen, den DPR bekannt zu machen und große Außenwirkungen zu erzielen. Hier seien nicht nur Müllers enormer Tatendrang und Schaffenskraft, sondern auch ihre Weitsichtigkeit und Chancen-Wahrnehmung gepaart mit Konfliktbereitschaft sowie Kompromissfähigkeit zu loben.
Die Erreichung des Pflegegipfels in 2008 und 2009 sei ein sehr wichtiger Schritt gewesen. Auch Müllers Hartnäckigkeit sei es maßgeblich zu verdanken, dass es demnächst ein Förderprogramm 'Pflege' sowie eine Pflegekomplexpauschale geben werde.
Abschließend dankte François-Kettner für die konstruktive und fruchtbare Zusammenarbeit der vergangenen Jahre herzlich und verband dies mit dem Wunsch, Frau Müller möge auch nach Übergabe der Amtsgeschäfte an das neue Präsidium und den neuen Präsidenten des Deutschen Pflegerates, dem DPR, mit Rat und Flankierung zur Seite stehen.
Ulla Schmidt, Bundesgesundheitsministerin a.D., hielt anlässlich der Verabschiedung den Vortrag 'Perspektive Pflege'. Darin hob Schmidt eingangs hervor, wie wichtig es gewesen sei, dass mit Gründung des Deutschen Pflegerates Pflegekräfte und Hebammen in ganz Deutschland ein 'wichtiges Sprachrohr' erhalten hätten. Beständig verfolgtes Ziel der Präsidentin Müller sei stets gewesen, die 'Erhöhung und Sicherung der Qualität der Pflege, aber auch die Aufwertung der Pflegeberufe' zu erreichen, Qualität und Aufwertung seien dabei zu verstehen als 'zwei Seiten einer Medaille'. Schmidt dankte der ehemaligen Präsidentin insbesondere für ihr Mitwirken auf den Pflegegipfeln, das dazu geführt habe, dass 'gute und tragfähige Ergebnisse erzielt werden konnten'. Marie-Luise Müllers Wirken sei es mit zu verdanken, dass 'die Herausforderung, die der Demographische Wandel an die Pflege in Deutschland stellt, kein unüberwindbares Hindernis sein werde'. Schmidt erläuterte die Hintergründe der dramatischen demographischen Entwicklung und die noch verdeckt scheinende Bedeutung für uns alle. Den Herausforderungen könne nur gemeinsam begegnet werden, in vielen Teilen der Pflegereform seien die Vorstellungen und Forderungen des Deutschen Pflegerates aufgegriffen worden. Schmidt befürwortete einen 'Paradigmenwechsel in der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit'. Man müsse wegkommen von der 'Minutenpflege hin zu einem ganzheitlichen Ansatz'. Zwar würde dies mehr Geld kosten, jedoch gäbe es bei gleicher Beteiligung aller am Ausgleich der Risiken einen größeren finanziellen Spielraum, das Umlagesystem sei ohnehin das gerechteste System.
Dem in den vergangenen Jahren stetigen Personalabbau sei mit dem wichtigen 'Pflegestellenförderprogramm' begegnet worde. Nachhaltig werde dies, wenn in den drei Jahren Laufzeit Indikatoren entwickelt werden, 'die eine aufwandsgenauere Abbildung der Pflege im DRG-System ermöglichen und ausreichende Beschäftigungen sicherstellen', so Schmidt. Im Weiteren stellte Schmidt auf die Bedeutung der Arbeitsperspektiven und die Kooperation der Gesundheitsberufe und dankte abschließend nicht nur der ehemaligen Präsidentin des DPR für die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren , sondern würdigte zudem das Engagement all derer, die in der Pflege 'Tag und Nacht Großartiges' leisten.
Unter der Überschrift 'Mythen der Gesundheitspolitik' widmete sich Hartmut Reiners, Autor des gleichnamigen Buches, Ministerialrat i.R., Publizist und Ökonom, in seinem Vortrag, den zehn häufigsten 'Mythen der Gesundheitspolitik' und legte dar, wie sich hinter der Propagierung manch eingängiger Parole, beispielsweise der sogenannten 'Kostenexplosion im Gesundheitswesen' oder der 'Vollkaskomentalität der Versicherten', handfeste wirtschaftliche und politische Interessen verbergen und hierfür instrumentalisiert werden.
Marie-Luise Müller dankte anschließend allen Wegbegleiterinnen und Begleitern, insbesondere ihrer Familie für die stete Unterstützung und Zugewandtheit. Ihr Fazit aus der neunjährigen Präsidentschaft zog Müller bereits mit dem Titel ihres Vortrags 'Die Arbeit hat sich gelohnt!' So sei der DPR nicht nur in der Bundespolitik angekommen, sondern auch bei den Selbstverwaltungspartnern ein ernstgenommener Partner.
Frau Müller ist davon überzeugt, dass mit dem neugewählten Präsidium des DPR das pflegepolitische Fundament und die vertrauensvolle Arbeitsebene zwischen den Akteuren und Institutionen genutzt werden wird, damit die anstehenden dringlichen Ziele wie Berufegesetz, Berufsausweis, ordentliches Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss und Eigenverantwortung in der Aufgabenverteilung realisiert werden können.
Zum Abschluss dankte Müller allen Beteiligten und hob hervor, dass sie zwar aus dem Amt als Präsidentin des Deustchen Pflegerates ausscheide, sich jedoch weiterhin aktiv in der Pflegepolitik beteiligen werde und sich daher auf die die weitere Zusammenarbeit freue.